Aus Spaß wurde Ernst

Mein erster Computer war gar kein „richtiger“ Computer, sondern eine Spielkonsole. Das Fairchild Channel F war die erste Spielkonsole mit austauschbaren Modulen. Es gab ca. 20 Spiele, ich weiß aber gar nicht mehr wie viele wir davon hatten – egal – ich liebte Baseball. Ein paar weiße Striche und Pünktchen hüpften zu PlingPlang-Tönen auf dem Bildschirm hin und her und ich war hin und weg.

Irgendwann kam dann ein Commodore VC20, gefolgt von einem C64, 128D und dann der Amiga 1000. Du liebe Güte, war der teuer, aber ich liebte ihn. Schon bei dem C64 war mir total klar, das es auch andere Anwendungen geben musste, als „nur“ Spiele. Ich programmierte auf dem C64 kleine Anwendungen wie z.B. eine Adressdatenbank und war mächtig stolz.
Parallel zum Amiga interessierte ich mich für den Apple. Er war nicht besser oder schlechter als der Amiga… er war für mich neuer und die Entwicklung schien schneller voran zu gehen und vor allem in eine professionellere Richtung. Von einem Windows-Rechner war für mich noch nichts zu ahnen. Irgendwie blieb ich dann bei Apple.

Ich war Inhaber einer Werbeagentur und vereinbarte mit meiner damaligen Bank einen Termin. Voller Stolz präsentierte ich meinen Computer, erzählte von DTP (Desktop Publishing) und erklärte, das hier die Zukunft für Grafik und Design liegen würde. Ich möchte gerne meine Firma mit 4 Systemen ausstatten..
Schweigen.
Dieser Mann mit eingefetteten, gestriegelten Haaren und einem schlecht sitzenden dunkelblauen Anzug erhob sich – ich weiß es noch als wäre es gestern – setzte einen herablassenden Blick auf und begann Dinge zu erzählen, die ich einfach nicht verstehen konnte. Banken seien seriös und investieren in keinen Spielkram. Diese Spieledinger würden niemals in der Lage sein, das von mir vorgetragene zu leisten. Ich war enttäuscht und konnte nicht begreifen wie man dermaßen blind sein konnte.

compu_01Mein Frust hielt nicht lange an. Ich setzte alle Hebel in Bewegung und kratze die letzte Kohle von mir und meinen Freunden zusammen – es reichte immerhin für zwei Systeme. Das waren damals mit Rechner, Drucker und Krimskrams mehr als 30.000 DM.
Tcha, und dann war es soweit – DTP hielt Einzug in mein Berufsleben. Einige Berufskollegen waren skeptisch, einige belächelten mich und andere eiferten mit oder nach.